
Von den Jugendwörtern mit meiner Nichte zu einer neuen Buchidee
Einmal im Jahr merke ich besonders deutlich, dass ich mittlerweile 40 bin: immer dann, wenn die neuen Jugendwörter veröffentlicht werden.
Meine Nichte ist 16 und gemeinsam gehen wir jedes Jahr die Liste mit den nominierten Jugendwörtern durch. Sie erklärt mir, was die einzelnen Begriffe bedeuten, und ich sage ihr, welche ich schon einmal gehört habe und bei welchen ich wirklich überhaupt keine Ahnung habe. Meistens ist das ziemlich lustig – und manchmal fühle ich mich danach ein kleines bisschen älter.
Als wir uns in diesem Jahr die zehn nominierten Jugendwörter 2026 angesehen haben, ist mir eines sofort aufgefallen: „Du bist gut genug“.
Genau genommen ist es kein einzelnes Wort, sondern eine Zeile aus dem viralen Song „Gut genug“ von KitschKrieg, Blumengarten und Shirin David. Der Satz wurde über TikTok, Memes und zahlreiche Abwandlungen bekannt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat es mich gefreut, ihn auf der Liste zu entdecken.
Denn zwischen all den lustigen Begriffen, die ich teilweise erst von meiner Nichte übersetzen lassen musste, stand plötzlich eine Botschaft, die ich wirklich wichtig finde: Du bist gut genug.
Warum Teenager diese Botschaft brauchen
Gerade im Teenageralter ist es nicht immer leicht, an sich selbst zu glauben. Jugendliche vergleichen sich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, mit Freundinnen und Freunden und mit den Menschen, die sie auf Social Media sehen. Hinzu kommen Schönheitsideale, Erwartungen in der Schule und Bilder aus Filmen, Serien, Werbung und Fernsehen.
Oft entsteht dadurch das Gefühl, schöner, erfolgreicher, cooler, sportlicher oder selbstbewusster sein zu müssen. Manchmal reicht schon ein kurzer Blick auf Instagram oder TikTok, um zu glauben, dass bei allen anderen alles besser läuft.
Natürlich lässt sich dieses Thema nicht mit einem einzigen Satz lösen. Trotzdem kann eine Botschaft etwas anstoßen. Sie kann Jugendlichen helfen, kurz innezuhalten und den Blick nicht immer nur auf das zu richten, was ihnen vermeintlich fehlt.
Als Sozialarbeiterin und Medienpädagogin arbeite ich seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, ihnen nicht einfach fertige Antworten oder gut gemeinte Ratschläge zu geben. Viel wertvoller kann es sein, die richtigen Fragen zu stellen und ihnen Raum für ihre eigenen Gedanken zu lassen.
Aus genau diesem Gedanken ist mein neuer Adventskalender für Teenager entstanden.
Vom Kinder-Adventskalender zum Teenager-Adventskalender

Bereits 2024 habe ich den Kinderkalender „24 Glücksaufgaben – Dein Mitmach-Adventskalender voller Freude und guter Taten“ entwickelt. Darin entdecken Kinder zwischen 6 und 12 Jahren jeden Tag eine neue Aufgabe rund um Freude, Achtsamkeit und gute Taten.
Zwei Jahre später wollte ich mich an eine neue Altersgruppe wagen. Teenager brauchen keine kindlichen Weihnachtsaufgaben mehr. Gleichzeitig wollte ich aber auch keinen Adventskalender entwickeln, der nur aus Schokolade, Kosmetik oder kleinen Gegenständen besteht.
Ich wollte etwas schaffen, das Jugendliche wirklich persönlich anspricht und ihnen in der Adventszeit jeden Tag einen kurzen Moment für sich selbst schenkt. So entstand die Idee für „Du bist gut genug – Der Adventskalender für mehr Selbstvertrauen“.
24 Fragen, Challenges und kreative Übungen
Hinter jedem der 24 Türchen wartet ein neuer Impuls. Der Kalender enthält Fragen, kleine Challenges und kreative Übungen, die Jugendliche dabei unterstützen sollen,
• ihre eigenen Stärken bewusster wahrzunehmen,
• über Gefühle und persönliche Grenzen nachzudenken,
• sich selbst besser kennenzulernen,
• mutiger zu werden und Neues auszuprobieren,
• und freundlicher mit sich selbst umzugehen.
Dabei geht es nicht darum, jeden Tag eine weitere Aufgabe perfekt zu erfüllen. Es gibt kein Richtig oder Falsch und keinen zusätzlichen Leistungsdruck. Manche Fragen dürfen sofort beantwortet werden, andere wirken vielleicht noch ein bisschen nach.
Der Kalender soll kein Selbstoptimierungsprogramm sein. Er soll vielmehr vermitteln: Du musst nicht erst anders werden, um wertvoll zu sein.
Zwei Adventskalender: für Teenager-Mädchen und Teenager-Jungs
Ich habe zwei verschiedene Ausgaben entwickelt:
Die Grundidee und viele Inhalte sind in beiden Kalendern ähnlich. Schließlich sind Selbstzweifel, Schuldruck, Freundschaften, Gefühle und Vergleiche keine Themen, die nur Mädchen oder nur Jungs betreffen.
Trotzdem unterscheiden sich manche Fragestellungen und Challenges. Denn Jugendliche werden teilweise mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert. Mädchen erleben häufig einen starken Druck durch Schönheitsideale und die ständige Bewertung ihres Aussehens. Jungen bekommen dagegen noch immer oft vermittelt, dass sie stark wirken, mithalten und ihre Gefühle lieber nicht zeigen sollen.
Auch die Cover sind unterschiedlich gestaltet, damit sich Teenager-Mädchen und Teenager-Jungs direkt angesprochen fühlen. Bevor ich mich für die endgültigen Designs entschieden habe, habe ich verschiedene Covervarianten erstellt und Eltern von Teenagern abstimmen lassen. Zusätzlich habe ich Testleserinnen und Testleser gesucht, denn mir war wichtig, nicht nur aus meiner Erwachsenenperspektive zu entscheiden.
Ein sinnvoller Adventskalender für Teenager ohne Süßigkeiten
Viele Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel suchen nach einem Adventskalender für Jugendliche, der nicht ausschließlich mit Süßigkeiten oder Produkten gefüllt ist. Gleichzeitig darf er natürlich nicht belehrend wirken – denn darauf haben die wenigsten Teenager Lust.
Meine beiden Kalender sollen deshalb vor allem neugierig machen. Jeden Tag wartet nur ein überschaubarer Impuls. Manche Aufgaben sind nachdenklich, andere kreativ oder praktisch. So kann der Kalender allein genutzt werden, aber auch Gespräche in der Familie anstoßen.
Er eignet sich als Adventskalender oder vorweihnachtliches Geschenk für die eigene Tochter oder den eigenen Sohn, für Enkelkinder, Nichten und Neffen oder andere Jugendliche im persönlichen Umfeld.
Mein Lieblingssatz unter den Jugendwörtern 2026
Ob „Du bist gut genug“ am Ende Jugendwort des Jahres geworden wäre oder nicht, war für meine Buchidee gar nicht entscheidend. Der Satz hatte bei mir bereits etwas ausgelöst.
Aus dem jährlichen Gespräch mit meiner 16-jährigen Nichte, einem viralen Song und meiner bisherigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind zwei neue Bücher entstanden. Und vielleicht erreicht die Botschaft dadurch genau den Teenager, der sie gerade hören muss:
Du bist gut genug – genauso, wie du bist.
