Von Vorurteilen zur Überzeugung
Vegan – irgendwie ein sehr großes Wort mit so vielen Einstellungen und Meinungen dahinter. Ich war jemand von der Sorte, die, wenn etwas vegan war, auch wenn es lecker aussah, das aus Prinzip abgelehnt hat. Ich weiß gar nicht genau warum – aber wahrscheinlich wie so viele andere auch, weil man so aufgewachsen ist und es irgendwie was „Neues“, „Fremdes“ war. Man wusste nicht genau, was da alles so drin sein könnte. Sojamilch z.B. habe ich immer einfach eklig empfunden, ohne es je zu probieren. Komisch, was das Gehirn manchmal macht.
Hautprobleme und ein Ayurveda-Arzt
Naja, auf jeden Fall hatte ich irgendwann ein paar akute Hautprobleme, die immer wieder auftraten, ohne dass ich genau sagen konnte oder erkennen konnte warum. Hausmittel und so konnten mir nicht weiterhelfen.
Da ich 2020 schon länger Yoga praktiziert hatte und gerade eine Chakra Healing Ausbildung bei Yoga Vidia machte, nutzte ich die Gelegenheit, eine Konsultation bei einem Ayurveda-Arzt zu besuchen. Er sagte mir, dass mein Sakral-Chakra „blockiert“ sei, ich orange tragen solle und empfahl mir eine für mich damals kaum mögliche Diät: 4 Monate mindestens vegan, kein Weizen und kein Zucker!
Ich weiß noch genau, wie ich da saß und mir dachte: ja ja genau – auf gar keinen Fall! Aber so wie ich schon immer war, konnte ich die Herausforderung nicht einfach ablehnen.
So wie damals, als ich in Südafrika war und mit einer Tour zur höchsten Brücke der Welt gefahren bin, von der man Bungee-Jumping machen kann – und ich gesprungen bin. Obwohl mir schon auf einem Kettenkarussell schlecht wird. Und das alles nur, weil ich nach dem Ausflug nicht zurück ins Auto gehen wollte und mir selbst sagen musste, dass ich die Chance hatte, von der höchsten Brücke zu springen, und sie nicht genutzt hatte. Total bescheuert. Ich würde es definitiv nicht nochmal machen aber ich kann sagen ich bin von der höchsten Brücke gesprungen.
4 Monate vegan – und es hat sogar funktioniert
Zurück zu meiner Diät. Ich informierte mich ein wenig und machte mich mit dem Gedanken vertraut. Ich glaube, ich bin noch am selben Tag losgegangen, um vegane Dinge ohne Weizen und Zucker zu kaufen. Zum Glück gibt es in Deutschland Alnatura.
Was mir dann auch erst auffiel: gefühlt ist überall Zucker drin. Letztendlich habe ich es geschafft – 4 Monate, inklusive meines Geburtstags, bei dem mir meine beste Freundin eine vegane, weizenfreie und zuckerfreie Torte gebacken hat. Es hat sogar geschmeckt!
An Weihnachten habe ich dann meine erste Ausnahme gemacht und Roulade gegessen – auch weil meine Hautprobleme leider immer noch ab und zu zurück kamen und ich dachte, funktioniert wohl nicht. Ich habe mich in den 4 Monaten aber super fit und wohl in meinem Körper gefühlt.
Madeira, Januar 2021 – und die vegane Diät? Na ja.
Dann kam der Januar 2021 und ich bin nach Madeira geflogen. Etwas schwer, hier meine „Diät“ weiterzuführen. Hier habe ich also weiterhin vegetarisch zu Hause gekocht, aber alles andere wieder gegessen.
Pastel de Nata und Fleischspieße sind auch echt lecker auf Madeira. Wie es dann dazu kam, dass ich immer weniger Fleisch gegessen habe, war durch meine Hündin Kitty, die mich inzwischen in Paul do Mar adoptiert hatte. Was für eine enge Verbindung kann man nur zu einem Tier haben. Sowas hatte ich vorher wirklich nie. Sie ist mein ein und alles.
Also immer weniger Fleisch gegessen – außer wenn ich wieder nach Frankfurt kam. Das war wie meine „Ausrede“ für Bratwurst auf dem Markt, Döner oder die leckere Fenchel-Salami. Wusstest du, dass Gewohnheiten an Umgebungen geknüpft sind? Das habe ich in dem Buch über die 1%-Methode gelesen.
Die militante Veganerin und ihre überzeugenden Argumente
Jedenfalls ging es immer so weiter – bis meine beste Freundin, die immer lecker für mich kocht, nach der Geburt ihrer Tochter keine Milchprodukte mehr essen wollte. Sie ist schon viele Jahre Vegetarierin, aber war immer ein großer Käsefan. Irgendwie hat es ihr nicht mehr geschmeckt.
5 Jahre nachdem ich 4 Monate vegan war, habe ich mich wieder mehr mit dem Thema beschäftigt. Mein Algorithmus bei Instagram hat sich hier auch sehr umgestellt, sodass ich viele Videos der militanten Veganerin gesehen habe. Sie ist definitiv militant, aber ihre Argumente sind einfach überzeugend, bzw. man kann da nichts dagegen halten außer Dumm-Gebabbel, wie man in Frankfurt sagt.
Der Moment, der alles verändert hat
In Madeira habe ich dann noch einmal in November 2025 Espetada gegessen, als mich eine Freundin besucht hat. Hat mir aber irgendwie einfach nicht mehr geschmeckt bzw. musste ich einfach daran denken, dass es war wie ein kulinarisches Individuum war.
Fisch habe ich trotzdem weiterhin gegessen und Kuchen etc. mit Ei oder Milch ab und zu. Balance und so.
Mit Fisch war dann im März Schluss – als in einem sehr beliebten Restaurant ein noch lebender und sich bewegender Fisch auf Eis in einer Vitrine lag. Seit dem bin ich komplett vegan. Lets see – im Moment bin ich einfach überzeugt davon.